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Brustvergrößerung

Viele Frauen leiden ihr ganzes Leben unter einer zu kleinen Brust, die Problematik lässt sich nie verdrängen, sie bleibt unterschwellig präsent. Andererseits kann man selten eine glücklichere Frau erleben als die, die nach der durchgeführten Brustvergrößerung in die Sprechstunde kommt und stolz ihren neuen Busen zeigt. Es ist ein Druck von diesen Frauen abgefallen, so merkt man ganz deutlich.

Die Brustvergrößerung ist eine der am meisten durchgeführten Operationen in der plastischen Chirurgie, deshalb sollte man auch dieses Thema sehr sorgfältig besprechen.

Kurz zur Geschichte: 1963 vergrößerten die Texaner Gerow und Cronin erstmals einer Frau die Brüste mit Silikonimplantaten. Vor dieser Zeit kannte man nur die Injektion von Silikonöl in den Brustdrüsenkörper, was vorwiegend in Japan stattfand. Silikon war aus der Technik bekannt. Die Ergebnisse des injizierten Öls, das teilweise auch unsteril verwendet wurde, waren katastrophal.

Im Anschluss an die Schöpfung der Brustimplantate durch die beiden vorgenannten Texaner nahm sich die moderne Industrie des Silikons an, die Implantate wurden ständig verbessert.

Silikon ist ein Polydimethylsiloxan. Dies bedeutet im Wesentlichen, dass aus Siliziumdioxyd, also reinem Quarzsand, durch Verkettung der SiO2-Moleküle Silikonelastomere hergestellt werden; zusätzlich werden Methylgruppen an die Siliziumatome gebunden. Bei der Herstellung der Silikonhülle, die das Silikongel umgibt, hat man zusätzlich neue Techniken entwickelt, um sie gegen den Durchtritt winziger Mengen Gel möglichst dicht zu machen. Die kürzerkettigen Gele sind also in der längerkettigen Hülle enthalten, Gel und Hülle bestehen aus Silikon.

Es gibt Silikonimplantate in einer Größe von 80 bis über 700 ml. Die normalen (linsenförmigen) Implantate werden mit moderatem (mäßigem) oder hohem Profil geliefert. Zusätzlich gibt es tropfenförmige Implantate sowie anatomische längs- oder querovale Implantate. Der Durchmesser der Implantate beginnt beim kleinsten bei 8,5 cm und nimmt mit dem Volumen der Implantate ständig zu. Wir haben mit dem Silikongel als Füllmaterial also die längste Erfahrung. Andere Füllsubstanzen, bis auf das Kochsalz, haben sich zwischenzeitlich als nicht verwendungsfähig erwiesen. Das Silikongel bietet hinsichtlich des Tastgefühls den besten Ersatz als Alternative für das Brustdrüsengewebe. Das Kochsalz hat den Nachteil, dass es mittel- bis langfristig durch die Silikonhülle durchdringt und das Implantat so kleiner wird, außerdem ist es nicht immer völlig luftfrei zu befüllen. Luftreste erzeugen dann glucksende Geräusche bei der Bewegung.

Der menschliche Körper, ebenso wie der Körper von Wirbeltieren, bildet um einen Fremdkörper eine Bindegewebskapsel. Das Implantat wird vom menschlichen Körper als Fremdkörper angesehen, die um das Implantat gebildete Bindegewebskapsel stellt also eine völlig normale Reaktion dar, sie hat nur einen Nachteil, sie kann sich zusammenziehen, sie strebt dabei die Kugelform an (kleinste Oberfläche bei gleich bleibendem Volumen) und wird dabei die Brustform verändern. Wenn die Kapsel sehr fest wird (Stadium III - IV nach Baker), dann ist eine Operation erforderlich, es wird das Implantat sinnvollerweise gleich mit der Kapsel entfernt und ein neues Implantat eingebracht. Die ersten Brustimplantate hatten eine glatte Oberfläche. Seit Mitte der 70er Jahre gibt es Implantate mit einer MikroPolyurethan-Schaumbeschichtung. Ende der 80er Jahre wurden texturierte, also aufgeraute Implantate, eingeführt. Die geringste Kapselkontrakturrate von 0 – 3 % besteht bei den MikroPolyurethan beschichteten Implantaten, die allerdings den Nachteil haben, dass die Beschichtung sich mit der Zeit vom Implantat ablöst und die vollständige Entfernung der Fremdsubstanzen aus dem Körper bei Bedarf dann schwierig ist. Die texturierten Implantate zeigen eine ebenfalls deutliche Verminderung der Kapselkontrakturbildung, die um 4 % liegen dürfte. Die texturierte Implantat-Oberfläche hat sich als unproblematisch beim Implantatwechsel erwiesen. Die von uns plastischen Chirurgen verwendeten Implantate sind inzwischen alle zertifiziert.

Zum Einbringen der Implantate gibt es verschiedene Operationstechniken.

Der Zugang kann von einem Schnitt in der Unterbrustfalte, um oder durch den Brustwarzenhof oder durch die Achselhöhle geschehen. In der Unterbrustfalte können derbe Narben auftreten.

Die Incisionen an der Brustwarze hinterlassen eher etwas sichtbare Narben. Mein empfehlenswerter Zugang ist durch die Achselhöhle, die Narbe im behaarten Bereich ist später fast unsichtbar. Das Implantat wird nur bei sehr wenig ausgeprägter Brustdrüse hinter den Brustmuskel gesetzt. Bei etwas kräftigerer Brustdrüse hinter diese. Beim Zugang von der Achselhöhle aus ist die Verwendung eines sog. Stuttgarter Gürtels für wenige Tage nach der Operation unbedingt zu empfehlen. Die Operation dauert 1 – 1,5 Stunden, sie wird üblicherweise in Allgemeinnarkose durchgeführt. Es empfiehlt sich, noch 1 Nacht in der Klinik zu bleiben. Die meisten plastischen Chirurgen decken die Patientinnen nach der Operation für einige Tage antibiotisch ab durch Verschreibung von Tabletten.

An Komplikationen können eintreten eine Nachblutung (sehr selten), eine Infektion und eine Kapselbildung. Die Infektion muss nicht unbedingt im unmittelbaren Anschluss an die Operation auftreten. Die Entfernung des Implantates kann erforderlich werden, außerdem Wunddrainage und antibiotische Abdeckung. Das Einsetzen eines neuen Implantates sollte frühestens nach 3 Monaten erfolgen. Die konstriktive Kapselbildung haben wir bereits besprochen.

Krebsvorsorge ist nach einer Brustvergrößerung natürlich weiterhin an der Brust erforderlich. Sie sollten Ihren Röntgologen vor einer Mammographie auf das liegende Implantat aufmerksam machen. Mit der Eklund-Technik ist die Mammographie möglich. Die Sonographie, das Kernspintomogramm und ein Computertomogramm können uneingeschränkt durchgeführt werden.

Es ist inzwischen gesichert, dass Brustimplantat-Trägerinnen nicht häufiger an Brustkrebs erkranken als Frauen ohne Implantate, ebenso ist kein Zusammenhang zwischen silikongelgefüllten Implantaten und Autoimmunerkrankungen bekannt.

Die Kontrolle der Implantate sollte jedes Jahr erfolgen. Ihr verantwortungsvoller plastischer Chirurg händigt Ihnen einen Implantatpass nach der Operation aus.

Sie wurden jetzt mit einer Fülle von Einzelheiten überschüttet. Bei einem Beratungsgespräch kann man nochmals auf Details eingehen und einzelne Punkte herausgreifen und weiter besprechen. Gern kann ein solches Beratungsgespräch auch nochmals wiederholt werden.


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