Fettabsaugung
Die Patienten sollten dazu einige Fachausdrücke kennen, bevor sie zum plastischen Chirurgen kommen. Grundsätzlich kann ein bestehendes Übergewicht, das alle Fettanteile des Körpers betrifft, nicht durch Absaugen beseitigt werden. Am sinnvollsten ist es, der Patient macht sich mit dem Body Mass Index (BMI) vertraut. Den BMI berechnen Sie, indem Sie Ihr Körpergewicht in Kilogramm durch das Quadrat der Körpergröße in Metern dividieren.
Also: BMI = Körpergewicht (kg) : (Körpergröße in m) ².
Der BMI zwischen 25 und 34 Jahren sollte dann zwischen 20 und 25, zwischen 55 und 64 Jahren zwischen 23 und 28 liegen. Alle Abstufungen sehen Sie im Internet unter BMI. (XXL-Mode)
Vor dem BMI sprach man von Normalgewicht, dies waren die Zentimeter Ihrer Körperlänge über 1 m, und diese in Kilogramm ausgedrückt. Bei einer Größe von 1,80 m betrug Ihr Normalgewicht 80 kg, das Idealgewicht 10 % weniger. Der BMI ist also wesentlich exakter. Allerdings müssen muskulöse Menschen wissen, dass er bei ihnen durch die Verstärkung der Muskulatur durch Training (und nicht durch zu viel Fettgewebe) auch etwas erhöht ist.
Das zwischen Haut und Muskelmasse auf der Körperoberfläche verteilte Fett ist nicht homogen, das heiß, Fett ist nicht gleich Fett. Als typisches Beispiel möchte ich die sog. „Reithosen“ erwähnen. Hier lagern spezielle Fettzellen zu einem dicken Polster auf der Oberschenkelaußenseite unterhalb der Hüfte. Darüber liegt das sogenannte „angegessene Fett“ in einer weiteren Schicht. Wenn eine Frau nun stark hungert, verliert sie nur das Fett, das sie durch zuviel oder zu fettes Essen aufgelagert hat.
Bei Frauen liegt dieses Fett über den ganzen Körper verteilt, bei Männern im Wesentlichen auf der Bauchdecke und im Bauchraum. Es kann also durch einige Willenskraft das „angegessene Fett“ abgehungert werden. Das „Reithosen“-Fett in der Tiefe bleibt aber. Es ist eine bekannte Tatsache und die Erfahrung vieler Patientinnen ist, dass es sich nicht abhungern lässt. Ebenso wie entsprechendes Fett in anderen Bereichen, das eben genetisch angelegt ist.
Vor der Durchführung der Fettabsaugung wird Ihr plastischer Chirurg einen speziellen Fragebogen mit Ihnen durcharbeiten und Sie sollten bei Ihrem Hausarzt oder Internisten einige Laboruntersuchungen machen lassen.
Bei der Operation wird das Fett durch Einspritzen einer bestimmten Lösung (Natriumchlorid oder Ringerlösung), die gewisse Zusätze enthält, vorbereitet. Gut ausgerüstete Kliniken haben hierzu eine Pumpe, das verkürzt das Einspritzen für die Patientinnen und somit die ganze Prozedur. Heutzutage nimmt man das Fettabsaugen in örtlicher Betäubung vor. Die eingespritzte Lösung enthält neben anderen Medikamenten, die das Fett auflösen sollen und die Durchblutung im Fettgewebe herabsetzen, auch das örtliche Betäubungsmittel. Es gibt ein örtliches Betäubungsmittel, das in größerer Menge vertragen wird und bei dessen Verwendung die Komplikationsmöglichkeiten bei der Fettabsaugung gering sind. Die eingespritzte Flüssigkeit soll eine Weile wirken, dann erfolgt das eigentliche Absaugen durch wenige Millimeter kurze Schnitte mit Kanülen, die mit den Jahren immer dünner geworden sind. Viele plastische Chirurgen sind von der Ultraschall-Absaugung, die Hitzeschäden im Hautbereich bewirken kann, abgekommen. Weitere Modifikationen beim Absaugen sind vibrierende Kanülen oder die Absaugung mit Wasserdruck. Lassen Sie sich entsprechend beraten. Die Absaugung wird heute nur auf Wunsch in Vollnarkose, sonst, wie vorbesprochen, in örtlicher Betäubung durchgeführt. Die Tumeszens-Lokalanastesie (tumescere, lat. anschwellen) ist hier seit Jahren die Methode der Wahl. Hierbei wird das Gewebe voll gepumpt wie eine reife Melone. Die Ergebnisse sind entsprechend gut. Zum Absaugen eignen sich der Unterkinnbereich, die männliche Brust (mit spezieller Kanüle und ggf. mit Ausschneiden des vergrößerten Brustdrüsenkörpers beim Mann), die Hüfte, die Oberschenkel außen und innen, die Knie und die Fesseln. Das Absaugen am Gesäß ist etwas problematisch und kann nicht immer zum gewünschten Erfolg führen. Ebenso ist das Absaugen im Oberbauchbereich nicht immer so erfolgsversprechend wie erwartet, ebenso im Bereich der Flanken (love handels).
Bei der Lejourmethode der Verkleinerung der Brust (narbenarme Methode) ist das Absaugen von Lejour als Standard zusätzlich angegeben. Bei der Bauchstraffung wird in der Fachliteratur vor dem gleichzeitigen Absaugen gewarnt.
Im Anschluss an die Operation sollte der Patient zur Überwachung einige Stunden in der Klinik bleiben. Zwischen 3 und 6 Wochen sollte Kompressionswäsche getragen werden, die wir Ihnen bestellen.
Nach wenigen Tagen besteht wieder Arbeitsfähigkeit in eingeschränktem Maße, nach 4 – 6 Wochen kann auch wieder Sport und Leistungssport betrieben werden.
Nach der Fettabsaugung können Komplikationen auftreten. Das konsequente Tragen der Kompressionswäsche sollte diese aber auf ein Minimum beschränken. Es können Blutergüsse und Ansammlungen von Wundsekret auftreten, diese können meist punktiert werden. Bei einem ungleichen Absaugen können Asymmetrien bestehen, es kann zu einer leichten Dellenbildung kommen, weshalb man den Patienten vorher nicht sagen sollte, dass man unbedingt in einer Sitzung Unmengen absaugt. Es können Gefühlsstörungen im abgesaugten Bereich auftreten.
Kleine Unregelmäßigkeiten können durch ein Nachsaugen ausgeglichen werden.
Bei einem bestehenden Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel, nach dem beim Erstellen der Vorgeschichte gefragt wird (Erkrankung in Mittelmeerländern), oder bei prädisponierten Patienten kann es durch die Verwendung eines ansonsten für die Fettabsaugung sehr geeigneten Lokalanästhetikums zu einer Methämoglobinbildung kommen, die allerdings durch Gabe von Methylenblau oder Vitamin C intravenös beherrscht werden kann. Entsprechende Höchstdosierungen des Lokalanästhetikums sind natürlich zu beachten.
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